Wie die Wildnispädagogik zu mir kam oder ich zu ihr?
Im Jahr 2020 veränderte sich mein berufliches Leben nach über 36 Jahren als Kindergärtnerin und Leitung einer Kindertageseinrichtung, unerwartet und doch irgendwie absehbar. Zunehmende strukturelle und personelle Veränderungen verhinderten immer mehr den Blick auf das Wesentliche, auf die mir anvertrauten kleinen und großen Menschen. Von Selbstzweifeln geplagt und gesundheitlich angeschlagen, verbrachte ich zwei Wochen in Portugal und stellte mir die Frage: "Was macht zukünftig ein gutes Leben für mich und vor allem, für die nachfolgenden Generationen aus? Was und wie möchte ich zukünftig leben und als Mensch, Pädagogin, Bildungslandschaftsgärtnerin weitergeben?" „Was sollte, was musste und was wollte ich ändern oder auch nicht?“ In der Ruhe und Wildheit von Portugal wurde klar, dass ich die Verbindung zur Natur noch intensiver als Mensch und Pädagogin leben wollte. An so vielen Stellen wird immer deutlicher wie stark wir ein „Getrennt sein“ von der Natur und dadurch auch von uns selbst und anderen leben und welche Konsequenzen das mit sich bringt. Klimakrise die schon eine Menschheitsbedrohende Katastrophe ist, Depression, Burnout, Stress, Lernblockaden, Krieg, Rassismus, Unzufriedenheit, Ängste, Einsamkeit, Pandemien, Leistungsdruck, ADHS, Entwicklungsstörungen, Konsumzwang, Zeitnot, Trauma und vieles mehr, belastet unseren Alltag und gefährdet die Zukunft der nachfolgenden Generationen. So machte ich mich auf die Suche nach Möglichkeiten der Weiterbildung und noch tieferem Eintauchen in die wohltuende, heilende Verbindung mit der Natur. Durch Zufall, den es ja nicht gibt, stieß ich auf Heike und Stefan Koch von der Wildnisschule Allgäu und das Abenteuer fing an. Es hieß: Wildnispädagogik. Die erste Frage die ich mir stellte war:
Bushcraft und Survival ????? In meinem Alter noch ????? Doch Stefan hat mich ziemlich schnell überzeugt, dass beides zwar zur Wildnispädagogik gehört, es jedoch grundsätzlich um viel mehr geht. Ok, habe ich gedacht. Was soll schon passieren? Zur Not gibt es ja die Bergrettung 🙈😂
Also legte ich los und es war die beste Entscheidung die ich zu dem Zeitpunkt in meinem Leben treffen konnte. Nicht nur, dass die Wildnisschule Allgäu mich unerwartet (wer lesen kann, ist klar im Vorteil 🧐) wieder mit meinem geliebten Oberstdorf verband, sondern die begeisterte Pädagogin und „Bildungslandschaftsgärtnerin“ 👩🌾, in mir vor Freude zu hüpfen anfingen.
Meine Abenteuer- und Entdeckerlust, mein Bedürfnis nach tiefer Verbundenheit mit der Natur und dadurch mit mir selbst und mit anderen Menschen und vor allem mein Pädagoginnen- und Bildungslandschaftsgärtnerinnenfeuer 🔥 (denn, „in dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“) fand seinen Weg zurück in mein Herz. Bis Mitte 2021 war dann klar, es läuft auf eine Grundsatzentscheidung hinaus. Ich verließ zum 31.12.21 schweren Herzens meinen geliebten Kindergarten, um zukünftig als „Natur-und Wildnispädagogin, für zukunftsorientierte, nachhaltige Bildung", die Dinge die mir wichtig sind und am Herzen liegen, in einem neuen Rahmen und auf neuen Wegen, in meiner eigenen Wildnisschule, noch intensiver leben und weitergeben zu können als bisher, um wichtige Zukunftssamen zu säen.
"Auf anderen Wegen! Raus in die Natur! Rein ins Leben! Zukunftssamen säen!"
Übrigens…. die Bergrettung 🚁 habe ich "noch nicht" benötigt. 😜
Seit Juli 2023 bin ich nun doch wieder in Teilzeit als Kindergärtnerin in Kindertageseinrichtungen aktiv. Das Feuer der Kindergärtnerin hatte nur eine Pause eingelegt und ist wieder voll entfacht.
Von Juli 23 bis Juli 24 in einem Waldorfkindergarten.
Seit Oktober 24 im Familienzentrum eines Mehrgenerationenhauses.
Ich bin zutiefst dankbar dafür meine beiden Berufungen (Kindergärtnerin und Wildnispädagogin) leben zu können.
Ein von Herzen kommendes DANKE an Heike und Stefan Koch für eure Liebe zur Mutter Erde und allem was euch umgibt, zur Wildnispädagogik die ihr mit Herz und Seele lebt und eure Wildnisschule Allgäu zu einem ganz besonderen Ort macht.
Warum ich Oberstdorf und das angrenzende kleine Walsertal so liebe
Mit meinen Eltern Manfred und Bernhild und meinem Bruder Jörg verbrachte ich die meisten Ferien auf dem kleinen Campingplatz im Örtchen Baad, im kleinen Walsertal. Direkt an der auch im Sommer ziemlich kalten Breitach, waren die Tage hier gefüllt mit wilden Abenteuern.
Wir durchwanderten romantische Täler, erklommen viele umliegende Gipfel und erlebten uns unmittelbar, als Teil der unvergleichlichen Natur.
Hier hat mich mein Papa den Respekt und die Demut vor Mutter Erde gelehrt und die Liebe zu den Bergen vererbt.
Auch mit meinem Mann und meinen Kindern haben wir hier schon so manchen Urlaub verbracht.
Auch wenn ich bis heute, viele andere wunderbare Orte auf dieser Welt kennen und lieben gelernt habe und mich ganz besonders am und im Meer zu Hause fühle;
in Oberstdorf und dem kleinen Walsertal bin und bleibe ich verwurzelt.
In Memories an Papa und Jörg! ❤️
Miss you