Zukunftsorientierte Bildung braucht
Friluftsliv / Freiluftleben
als einen skandinavischen Bildungsansatz schulischer und außerschulischer NaturBildung
Friluftsliv, was man wörtlich mit " Freiluftleben" oder " Leben unter freiem Himmel" übersetzen kann, gehört in den skandinavischen Ländern fest zum Lebensstil und steht für eine inneren Haltung großer Wertschätzung gegenüber der umgebenen, außergewöhnlichen Natur. Viele positive Effekte wie verbesserte physische und psychische Gesundheit, Beitrag zum Umweltschutz, Beitrag zu einer sinnvollen Kindesentwicklung werden dem Friluftsliv nachgesagt oder sind besser gesagt, mittlerweile gut erforscht und belegt. Schon früh wurde Friluftsliv in die Arbeit der Bildungseinrichtungen integriert und gehört mittlerweile fest zum skandinavischen Bildungssystem. Während Friluftsliv Aktivitäten im Kindergarten nicht verpflichtend vorgesehen aber dennoch oft integriert sind, ändert sich das mit dem Eintritt in die Schule. Etwa 25% des Sportunterrichtes müssen als Friluftsliv abgehalten werden. Ein "Utedag" ist fest im Stundenplan integriert. An diesem Utedag verbringen die Schüler und Schülerinnen viel Zeit damit, draußen zu spielen, die Welt zu entdecken und zu erforschen und sich zu bewegen. Die hier gemachten Erfahrungen werden als Aufhänger für den Indoor Unterricht genutzt. Erfahrungsbasiertes Lernen wird hier gefördert und gestaltet.
Da Friluftsliv vor allen Dingen in der Schule einen hohen curricularen Stellenwert einnimmt, haben auch verschiedene Hochschulen eine entsprechende Studienmöglichkeit im Angebot. Auch an Volkshochschulen wird Friluftsliv als Kurs angeboten. Dieser geht über einen Zeitraum von ca. einem Jahr und wird so wohl im beruflichen aber auch im privaten Kontext zur Weiterbildung genutzt. Diese Kurse werden staatlich gefördert, da sie etwas zur Förderung der gesamtgesellschaftlichen Situation, beitragen. Auch in den skandinavischen Ländern geht das Phänomen der Naturentfremdung nicht an der modernen Gesellschaft vorbei. Nicht nur Kinder und Jugendliche verbringen auch hier immer mehr Zeit in geschlossenen Räumen vor und /oder mit digitalen Medien und auch der zunehmende Dauerstress und Leistungsdruck in der Bildungs- und Arbeitswelt zeigen gesundheitliche Auswirkungen. Diese nehmen auch in Skandinavien massiv zu.
Inhalte von Friluftsliv in Schule
Klassenstufen 1-4:
Die Kinder sollen durch Spielen, Erforschen, körperliche Aktivitäten und Sinnesschulung Erfahrungen sammeln, Kreativität entwickeln und sich als einen Teil der Natur erleben.
Klassen 5-7:
Durch unmittelbare Erlebnisse in der Natur sollen die Schüler/innen über das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur lernen. Es soll weiter ein Verantwortungsgefühl gegenüber der Natur entwickelt werden.
Klassen 8-10:
Die Schüler sollen praktische Kenntnisse und Wissen über das Friluftsliv erlangen.
Z.B. durch das Bauen von Schneehöhlen um darin zu übernachten und/oder durch mehrtägige Exkursionen in freier Natur. (angeln, segeln, klettern, wandern usw.)
( aus Friluftsliv von Swantje Bittner)
Ziele von Friluftsliv /Friluftsliv soll …..
(aus Friluftsliv von Swantje Bittner)
… einen Umgang mit der freien Natur vermitteln, die dem einzelnen Zufriedenheit und ein Erlebnis von Lebensqualität ermöglichen soll.
… ein Verhältnis zu der freien Natur entwickeln, welches zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Vielfältigkeit und Qualität in der Natur führt.
… Fähigkeiten entwickeln, Alltagshandlungen kritisch zu beurteilen und Bewusstsein über Konsequenzen im Bezug auf zwischenmenschliche Verhältnisse herstellen.
… Inspiration für einen anderen Lebensstil sein: in innerer Hinsicht reicher, in äußerer Hinsicht schlichter.
… die Kompetenzen des Einzelnen in Bezug auf Zusammenarbeit und Mitverantwortung weiter entwickeln.
Friluftsliv und Wildnispädagogik / Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Friluftsliv hat in Skandinavien eine lange Tradition und wurde zu Beginn in die Sportwissenschaften und den Sportunterricht integriert. Bewegung in der Natur als Gesundheitsförderung stand hier erstmal im Fordergrund. Mittlerweile ist Friluftsliv ein eigenständiger Lehrbereich, der auch in allen anderen Fachbereichen integriert wird. Mehr und mehr geht es auch hier um die sinnstiftende, bewusste, achtsame Verbindung zur Natur auf vielfältige Art und Weise, da auch in Skandinavien die Naturentfremdung mehr und mehr zu spüren ist.
Wildnispädagogik hat von Beginn an die Ermöglichung, Vertiefung und Erhaltung der drei Arten von Verbindung als Ziel. Die Verbindung von
- Mensch und Natur
- dem Menschen mit sich selbst
- Mensch zu Mensch
Bewegung gehört hier selbstverständlich dazu. Allerdings nicht im Sinne einer bewussten Gesundheitsförderung sondern diese ist ein natürlicher Nebeneffekt im Rahmen einer ganzheitlichen, gesunden Lebensweise, die Körper und Geist einschließt.
Achtsamkeit und Bewusstheit (Awerness) bilden hier einen intensiveren Schwerpunkt.
Dieser nimmt aber auch im Friluftsliv einen immer größeren Stellenwert ein, wie man an den heutigen Zielen (s.o.) von Friluftsliv erkennen kann.
Für mich sind Wildnispädagogik und Friftsliv zwei pädagogische Ansätze, die wunderbar und unmittelbar in Beziehung stehen. Der größte Unterschied ist:
Friluftsliv ist fest ins skandinavische Bildungssystem integriert. Wildnispädagogik hier in Deutschland nicht.
Friluftsliv in Deutschland / Aussichten, Möglichkeiten und Chancen
"Auch wenn Friluftsliv in seinen Ursprüngen ein durch und durch skandinavisches Phänomen zu sein scheint, so bieten sich auch in Deutschland nicht nur verschiedene Möglichkeiten für eine ähnliche Freiluftkultur an, sondern diese Möglichkeiten drängen sich aus gesundheitlicher und Umweltpädagogischer Sicht als Notwendigkeiten geradezu auf." (Gunnar Liedtke und Dietmar Lagerström)
Sicher sollte und kann Friluftsliv als skandinavischer Ansatz nicht einfach in das deutsche Bildungssystem übernommen werden. Doch die intensivere Auseinandersetzung und Integration von "Naturverbindung" oder "Freiluftleben" , in all seinen Facetten, ist dringend notwendig um die nachfolgenden Generationen für die Herausforderungen der Zukunft zu stärken und Zukunftssamen zu säen.
Feste Unterrichtsstunden für "Draußenzeiten" im Sinne von "Utedage" und die Integration von Natur-und Wildnispädagogik, in die Ausbildung von Pädagogen/innen und Lehrer/innen, sowohl an Fach-als auch Hochschulen, sind wichtige Schritte um Natur nicht nur als schöne Kulisse für Feste, Ausflüge, Projektthemen und in den Naturwissenschaftlichen Fächern als Lehrort zu nutzen, sondern als festen Bestandteil, Bildungsbereich übergreifend in unsere Bildungspläne/Lehrpläne zu verankern und somit Gesellschaftliche Verantwortung (Antworten geben) zu übernehmen.
Wichtig hierbei ist: